Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Mittwoch, 14. Februar 2007

23. Nacht

Der Vater der Braut hält den Buckligen für wahnsinnig und kehrt ins Schlafgemach der Tochter zurück, wo er den Turban und die Hosen Hasans und in diesen die Nachricht darüber findet, dass dieser sein Neffe ist, wir es also wieder einmal mit der als perfekt geltenden Cousinen-Ehe zu tun haben. Welch ein Glück auch, dass Hasan zu Ruhm & Ehre gekommen ist, denn

"Dies ist ein Turban, wie ihn Wesire tragen; denn er ist aus Musselin."

Im Moment, da ich dieses schreibe, trage ich fast vollständig Baumwolle am Leib:

  • Slip rot: Carlo Comberti

  • Unterhemd weiß: Carlo Comberti

  • Oberhemd rot: Levis

  • Hose jeans-blau: Camel

  • Socken schwarz (Mischgewebe): Wühltisch

Fragen:

  • Werde ich je einen Turban tragen müssen?

  • Werde ich je Musselin tragen dürfen?

  • Ist es ökologisch korrekt, sich zu 90% in Baumwolle zu kleiden, die hier gar nicht wächst?

  • Unterstützt man mit dem Kauf einer Camel-Hose die Tabak-Industrie?

  • Sollte man nicht auch beim Sockenkauf etwas mehr Sorgfalt walten lassen, auch wenn man von Socken nichts weiter erartet, als
    - angenehmer Tragekomfort
    - guter Sitze
    - schwarze Farbe

Dass die Hochzeitsnacht fruchtbar war, darauf hätte man Wetten abschließen können. Ein Sohn wird geboren,

der war wie der volle Mond, das Ebenbild des Vaters an Schönheit und Vollkommenheit und strahlender Lieblichkeit. Sie durchschnitten ihm die Nabelschnur, schwärzten seine Augen mit Bleiglanz und übergaben ihn den Pflegerinnen; und sie nannten ihn 'Adschîb, das ist der Wunderbare.

Unklares Inventar: Bleiglanz

Doch seine Schwäche ist der Hochmut, er lässt gegenüber seinen Spielgefährten heraushängen, er sei der Sohn eines Wesirs. Schöner und wohl auch typischer Lehrertrick: Die Demütigung des hochmütigen Kindes. Er fordert die Mitschüler auf, Adschîb damit aufzuziehen, dass er ein Bastard sei. Das zeigt Wirkung: Adschîb beginnt sich zu grämen, und so reisen er und sein Großvater los, um den Vater zu suchen, von dem wir ja wissen, dass der Dämon ihn in Bagdad fallen gelassen hat. Tatsächlich erreichen sie nach drei Tagen (!) Damaskus. Von einem Diener mit schwerem Knüttel begleitet wandert Adschîb durch die Stadt und tritt auch in die Garküche ein, in der sein Vater sitzt. Sie fühlen sich voneinander angezogen:

Blut trieb ihn zum Blut. (...) Und die vom Himmel gepflanzte Liebe regte sich mächtig in ihm.

Der Sklave rät ab, doch Hasan wendet sich an den Sklaven:

"O du, der du bist wie eine Kastanie, dunkel von außen, aber weißen Herzens drinnen! O du, von dessengleichen einer der Dichter sagt..." Das lachte der Sklave und fragte: "Was sagst du? Sprich, bei Allah und sei kurz." Sofort sprach Bedr-ed-Din diese Verse:

"Wär nicht seine feine Bildung und seine schöne Treue,
So hätte er nicht im Hause des Königs Herrschergewalt.
Und für die Frauengemächer, o welch trefflicher Diener!
Ob seiner Schönheit dienten die Engel des Himmels ihm bald."

Der Eunuch staunte ob dieser Worte.

Wer würde da nicht staunen!

Nachdem Bedr ed-Din sie bewirtet hat, verlassen Adschîb und der Sklave das Haus, aber Bedr ed-Din folgt seinem Sohn auf so ungeschickte Weise.

Es erschien Adschîb, als ob sein Auge das Auge eines Lüstlings und er ein Bastard wäre.

Er schlägt ihn nieder, und die Karawane zieht weiter nach

Homs,

Dijâr Bekr,

Maridîn

und Mosul

, wo sie nach Adschîbs Vater suchen, den sie doch gerade in Damskus niedergeschlagen hatten. In Basra immerhin lebt Bedr ed-Dins Mutter noch. Und der Sultan, der ihn doch vor einigen Jahren noch töten lassen wollte (s. 21. Nacht), führt diese mit ihrem Schwager und ihrem Neffen zusammen (Ich hoffe, der geneigte Leser kann bei dieser Verknappung der Sachverhalte noch folgen.) Die Rückreise führt abermals durch Damaskus, und wieder besucht Adschîb seinen Vater, ohne zu wissen, dass er es ist und lässt sich von ihm mit Granatapfelkernen bewirten. Wieder bei der Karawane angelangt bietet ihm Bedr ed-Dins Mutter genau diese Speise an, die Adschîb verschmäht, da er eben schon welche gegessen habe, die mindestens genauso gut schmeckten. Niemand, so die Mutter, könne Granatapfelkerne so gut zubereiten wie sie selbst und ihr eigener Sohn.

Merke: Das Essen einer Frau, die schon Kinder zur Welt gebracht hat, zu bemäkeln, ist eine Beleidigung, die man sich in früher Jugend abgewöhnen sollte, und sei es bei einem so alltäglichen Gericht wie Granatapfelkernen.

Ende der 23. Nacht

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen