Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Donnerstag, 22. Februar 2007

26. Nacht

Schehrezâd berichtet Schehrijâr, dass der jüdische Makler dem chinesischen Sultan davon berichtet, wie ihm der einhändige Kaufmann fortfuhr zu berichten. Nicht nur der Palast war über die Maßen schön und geputzt, sondern auch die Dame selbst.

Als sie mich sah, lächelte sie mich an, nahm mich in die Arme und drückte mich an die Brust; und sie legte ihren Mund auf meinen Mund und sog an meiner Zunge, wie ich an der ihren.

Es folgen Gelage und Liebesnacht, wie wir es bereits kennen.

Doch als der Morgen kam, da stand ich auf, warf das Tuch, in dem die Dinare waren, unter die Polster und nahm Abschied von ihr.

Eine etwas seltsame Passage. Wieso hinterlässt er so viel Geld? Wieso hinterlässt er überhaupt Geld? Heißt das nicht, das Liebesspiel zu einer Prostitutionsbeziehung herabzuwürdigen? Oder soll es eine Art Vorschuss-Morgengabe sein? Oder ein Unkostenbeitrag?

Am nächsten Tag wiederholt sich die Sache. Am übernächsten auch.

Unklares Gericht: Geröstete Kolokasien.

Von nun an betreibt er dieses Verhältnis in einem fort und hinterlässt jedes Mal fünfzig Dinare. Das kann ja nicht gut gehen. Doch sein Dilemma sieht er erst ein, als das Geld alle ist.

Da sagte ich mir: "All dies ist Satans Werk!"

Dem wird aber auch immer alles in die Schuhe geschoben.

Es folgt eine etwas hanebüchene Jammer-Geschichte: Der Kaufmann geht spazieren, und im Gedränge kommt seine Hand zufällig (!) auf der Tasche eines Söldners zu liegen. Ups! Da war der Geldbeutel schon in seiner Hand. Man überführt ihn und stellt ihn auch vor den Wali. Er gesteht, und man schlägt ihm die rechte Hand ab. Als man ihm auch den linken Fuß amputieren will, legt der Bestohlene Fürbitte ein.

Unklarer Beruf: Wali

So ließ der Wali von mir ab und zog davon; das Volk aber umringte mich und gab mir den Becher Wein zu trinken.

Unklar: Wie streng ist denn nun das Alkoholverbot im Islam?

Der Söldner lässt ihm sogar den Geldbeutel, woraufhin dieser sich noch einmal windet und sein schlechtes Gewissen durch Verse zu reinigen sucht und für die ich, wäre ich der Söldner, ihm einen Tritt in den Hintern verpasst hätte.

O der du Vertrauen schenktest, ich bin kein Räuber,
O du bester der Menschen, ich bin keiner von den Dieben!
Nein, Wechselfälle des Schicksals haben mich rasch getroffen;
Sorge, Versuchung und Armut waren es, die mich trieben.
Nicht aus meiner Hand, von Gott ist der Pfeil gekommen,
Der mir des Reichtums Krone von meinem Haupte genommen!

Dann geht der Kaufmann wieder zu seiner Geliebten, die nach wiederholtem Nachhaken erfährt, was geschehen ist. Sie pflegt ihn mit Brühe.

Die reichte sie mir, und siehe es waren vier Küken darin.

Die beiden heiraten, die fünfzig Dinare für jede Nacht sind ja auch noch da. Alles wird gut, aber schon nach wenigen Wochen wird sie krank.

Schon nach fünfzig Tagen zählte sie zum Volk im Jenseits.

***

Der Kaufmann überredet den christlichen Makler, mit ihm zu ziehen, und so landet dieser in China, wo es ihm also mit dem Buckligen ergangen ist.

Der König rief aber: "Ihr müsst doch allesamt hängen."

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