Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Mittwoch, 21. März 2007

34. Nacht

Das Aussehen des Barbiers verwundert nicht nur den König, sondern auch den Leser:

Er war ein uralter Mann von über neunzig Jahren, mit dunklem Gesicht, weißem Bart und weißen Brauen, mit kleinen Ohren und langer Nase und einem Gesicht von albernem und eingebildetem Ausdruck.

Der Barbier nimmt legt den Kopf des getöteten Buckligen in seinen Schoß und lacht:

"O größter König unserer Zeit, bei deiner Huld, in dem buckligen Flunkerer ist noch Leben."

Mit einer eisernen Zange entfernt er eine Fischgräte aus des Buckligen Hals und dieser erwacht schneewittchenmäßig.

Dann lachte der König von China bis er auf den Rücken fiel, und ebenso taten es die anderen alle.

Ansteckende Ohnmacht?

An alle Beteiligten werden Ehrengewänder verliehen, der Bucklige und der Barbier werden zu Tischgenossen des Königs gemacht.

Und sie lebten das schönste und fröhlichste Leben, bis der Vernichter der Freuden und Trenner der Freunde zu ihnen kam.

Ende der gesamten Geschichte

 

Die Geschichte von Nûr ed-Dîn 'Alî und Enîs el-Dschelîs

In Basra lebt ein König namens Mohammed ibn Sulaimân ez-Zaini, der zwei Wesire hat:

  • den guten el-Fadl ibn Chakân

  • den bösen el-Mu'in ibn Sâwa

Der gute Wesir wird beauftragt, für 10.000 Dinare dem Sultan die schönste Sklavin zu kaufen. Und tatsächlich findet er auf dem Sklavenmarkt eine solche Maid:

die war von edlem Wuchs und von schwellender Brust; ihr Blick von dunkler Gewalt, rund ihrer Wange Gestalt; ihr Leib war schmal, schwer die Hüften zumal; sie trug ihr schönstes Gewand, und süßer als Honigwasser war ihrer Lippen Rand; ihre Gestalt war ebenmäßiger als die sich neigenden Zweige und ihre Rede zarter als der Zephir des Morgens.

Außerdem ist sie bewandert in

  • Kalligraphie

  • Grammatik

  • Semantik

  • Auslegung des Korans

  • Jura

  • Theologie

  • Medizin

  • Zeitrechnung

  • Spielen der Musikinstrumente

Unklare Wissenschaft: Zeitrechnung (Vielleicht ist ja Astronomie gemeint?)

Die 10.000 Dinare decken nicht einmal die Kosten für ihre Ernährung (bestehend hauptsächlich aus Küken und Wein) und die Ehrengewänder ihrer Lehrer. Aber der

Perser, von dem nur noch wenig übrig war, den die Zeit aufbewahrt und abgenutzt hatte so manches Jahr,

überlässt sie dem Wesir trotzdem für den genannten Preis.
Damit sich die Sklavin von der Reise erholt, bevor sie zum Sultan gebracht wird, gibt man ihr ein paar Tage Zeit im Palast des guten Wesirs. Dieser warnt die Sklavin aber vor seinem umtriebigen Sohn

"Der lässt keine Jungfrau im Stadtviertel ungeschoren."

Das Wort "Ungeschoren" hat in diesem Zusammenhang einen seltsamen Klang...

Doch kaum ist der Wesir aus dem Haus, entdeckt sein Sohn Nûr ed-Dîn 'Alî die Sklavin Enîs el-Dschelîs, scheucht die kleinen Aufpasserinnen fort,

nahm ihre Beine und legte sie sich um den Leib, und sie wand ihre Arme um seinen Hals und empfing ihn mit Küssen und Seufzern und dem Spiel der Liebe. Und er sog an ihrer Zunge, und sie an seiner, und schließlich raubte er ihr die Mädchenschaft.

Natürlich tut sie das nur in dem Glauben, Nûr ed-Dîn 'Alî sei derjenige, für den sie gekauft wurde. Der Wesir und seine Gattin sind bei er Nachricht aus dem Häuschen und der Wesir fürchtet um seinen Hals, da der Feind el-Mu'inibnSâwa  gewiss schon auf seine Chance lauert.

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