Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Montag, 16. Juli 2007

57. Nacht

Um ihren Wert genauer zu schätzen, beginnt der Händler mit Nuzhat ez-Zamân zu sprechen und fragt sie nach ihrem Namen.

"Früher war mein Name Nuzhat ez-Zamân, aber jetzt ist mein Name Ghussat ez-Zamân." 57

Ohne ihre königliche Abstammung zu verraten, erzählt sie von ihrem kranken Bruder, den sie noch in Jerusalem wähnt.

Wo du auch seiest, möge der Herr dich hüten,
Wanderer, du, der mein Herz gefangen hält!
Gott sei dir, wo du auch gehst, ein Beschützer,
der dich behütet vor Unglück und Not der Welt!
Du entschwandest: Mein Auge ersehnt deine Nähe,
Ach, meine Tränen fließen in Strömen herab.
Wüsste ich doch, in welchem Lande der Erde
Dir ein Haus oder Stamm ein Obdach gab!
Ob du jetzt lebendiges Wasser trinkest
Wie eine Rose, während die Träne mich tränkt?
Auf meinem Lager, wie von Kohlen versengt?
Alles andere, außer dass du mir fern,
Ist mir leicht - alles ertrage ich gern.

Als der Händler ihr die Träne trocknen will, verschleiert sie instinktiv ihr Gesicht. Der Beduine springt zornig herbei,

und versetzte ihr mit dem Kamelhalfter (...) einen so heftigen Schlag, auf die Schultern, dass sie mit dem Gesicht zu Boden stürzte.

Der Händler bietet nun feilschend 70.000, 80.000, 90.000 Goldstücke. Der Beduine wirft ein, dass das Mädchen bei ihm schon für 90.000 Goldstücke Gerstenbrot gegessen habe. Der Händler daraufhin, dass der ganze Beduinenstamm zusammen im ganzen Leben noch nicht für 1.000 Goldstücke Gerstenrot gegessen habe. Schließlich überlässt der Beduine dem Händler das Mädchen für 100.000 Goldstücke.

Eine grob überschlagene Rechnung ergibt, dass ich bis zum heutigen Tage Roggenbrot im Werte von
1.073,- DDR-Mark
2.774,- D-Mark
1.896,- Euro
gegessen habe.
Dieser Rechnung liegen folgende Annahmen zugrunde:
1. Ich habe im Alter von 1-2 Jahren täglich eine Scheibe, von 4-7 Jahren täglich zwei Scheiben, und von 8 Jahren bis heute täglich drei Scheiben Roggenbrot gegessen.
2. Von 1969 bis 1990 habe ich Brot gekauft, dass ca. 20 Scheiben ergab. Später Brot, dass 15 Scheiben ergab.
3. Bis 1990 kostete Brot 1,20 DDR-Mark  (etwas bessere Sorte), von 1990 bis 1994 aß ich billiges Brot für 2 D-Mark, dann für durchschnittlich 4 D-Mark (teilweise Öko- teilweise Billigbrot).
4. 1 Euro = 0,50 Cent
5. Wenn man als weitere (durchaus bestreitbare) Annahme hinzufügt, dass 1 DDR-Mark = 0,50 D-Mark  sind, dann
habe ich in meinem bisherigen Leben Roggenbrot im Werte von 2.603,- Euro verspeist.
Und da war die Butter nicht mal mit dabei!

Nach der Transaktion reitet der Händler mal eben nach Jerusalem, um Dau el-Makân zu suchen, doch dieser ist verschwunden.

 

57 Ein kleines Wortspiel, für das, wie wir bereits bemerkt haben, sich die Protagonisten selbst in Situationen größter Not nicht zu Schade sind:
Nuzhat ez-Zamân = Wonne der Zeit
Ghussat ez-Zamân = Entsetzen der Zeit

 

 

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