Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Sonntag, 23. Dezember 2007

119. Nacht

Natürlich vergisst Azîz, der Dame den Vers aufzusagen. Aber diese gibt ihm eine Leinwand, die mit Gazellen bestickt ist, wie wir sie aus der 112. Nacht bereits kennen. Die Base schilt ihn für das Vergessen des Verses. In der nächsten Nacht aber spricht er:

O ihr Liebenden, bei Allah, saget an:
Wenn ihn die Liebe plagt, was tut der Mann?

Doch wie sie das hörte flossen ihre Augen vor Tränen über und sie sprach:

Er hütet seine Lieb, birgt sein Geheimnis treu
Und harrt geduldig aus in allem, was sei!

Daheim wird die traurige Base nun von der weinenden Mutter betreut. Die Base bittet nun, folgende Verse auszurichten:

Wie kann er die Liebe hüten, wenn sie ihm das Leben raubt,
Und wenn das Herz ihm täglich in tausend Stücke springt?
Wohl hat er die rechte Geduld gesucht, doch fand er nichts
Als nur ein Herz, das immer mit quälender Sehnsucht ringt!

Als er dies nach dem Liebesspiel der Dame ausgerichtet hat, weint sie und spricht:

Wenn die Kraft, um sein Geheimnis zu hüten, sich ihm nicht bot,
So weiß ich keinen Rat für ihn als nur den Tod!

Heim zur Base, Ausrichten der Verse, neue Verse anhören:

Ich habe gehört und gehorcht; dann bin ich gestorben. Nun bringe
Von mir einen Gruß zu ihr, die mir das Liebesglück stahl!
Jene, die glücklich sind, möge ihr Glück erfreuen -
Dem armen Liebenden blieb ein Kelch der bitteren Qual.

Hin zur Dame. Beischlaf ausführen. Verse ausrichten.

Aber als sie die hörte, schrie sie entsetzt: "Wehe, wehe! Bei Allah, die diese Verse gesprochen hat, ist jetzt tot!"

Azîz ist nun verwirrt.

Wer wäre das nicht bei all dem Hin und Her, Zeichen deuten, Verse überbringen, Sexualität entdecken, Sprache der Frauen nicht verstehen?

Er klärt die Dame über die Base auf. Als er heimkommt, ist die Base tot. Seine Mutter spricht:

"Gott verzeihe dir ihr Blut nie!"

Das sind Aussichten!

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