Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Montag, 3. Dezember 2007

99. Nacht

Bei meiner Zahnärztin werden extra zum Weihnachtsfest Gutscheine angeboten: Zahnbleichung, Zahnprophylaxe und Zahnkosmetik. Aber wer will so etwas zu Weihnachten bekommen? "Oh danke, Schatz! Jetzt weiß ich, dass du meine Mundhöhle für unzumutbar hältst und warum du es seit Jahren ablehnst, mich auf den Mund zu küssen."

***

Nur noch fünfundzwanzig Mann sind Scharkân geblieben, und die "Ungläubigen" wollen nun kurzen Prozess machen:

"Wenn wir sie nicht im Kampfe bezwingen, so wollen wir sie durch ein Feuer ausräuchern."

Tatsächlich ergeben sie sich und geraten so in gemeinsame Gefangenschaft mit Dau el-Makân und Dandân. Man will sie töten, aber der Befehlshaber rät ab:

"Ihr Tod steht nun in der Hand des Königs Afridûn, damit er seinen Rachedurst lösche."

Wäre auch ein wenig seltsam, wenn nun alle stürben. Wessen Geschichte sollte man dann weitererzählen? Bei einem Schreibspiel, das ich vor einem Jahr für Kinder anleitete, sollte jedes Kind immer einen Satz hinzufügen. Einem Achtjährigen machte es besonderes Vergnügen, egal wo die Geschichte gerade war, zu schreiben: "Und da waren alle tot."
Anders als meine Kollegen, die eine psychische Störung vermuteten, glaube ich dass er lediglich, den Tod als effektives narratives Werkzeug für sich entdeckt hatte.

Als die Nacht anbricht, beginnen, die Christen zu saufen,

bis sie alle auf dem Rücken lagen.

Über seine Gefangennahme

ergrimmte Scharkân, und er seufzte im Übermaß seines Zornes und reckte sich, bis seine Fesseln sprangen; und als er frei war von seinen Banden, trat er zu dem Hauptmann der Wache, zog ihm den Schlüssel zu den Fesseln aus der Tasche und befreite Dau el-Makân und den Wesir Dandân und die übrigen Gefangenen.

Anscheinend haben wir die Welt der Ilias-Motive verlassen und sind nun bei Karl May angelangt, leider ohne Anschleichszenen und Überrumpelungslisten. Die Christen sind hier schlicht zu doof und zu besoffen.

Man erbeutet Pferde, und Scharkân gelingt es, einen Haufen Waffen mitzuschleppen. Sein Vorschlag, die Wachen umzubringen, wird aber von Dau el-Makân abgelehnt. Ebenso der wahnwitzige Rat, sich auf die Bergspitzen zu stellen mit dem Schlachtruf "Allâhu Akbar!" Masse zu suggerieren und so das christliche Heer zu verschrecken und in die Flucht zu schlagen.
Auf diesem zweiten Vorschlag beharrt Scharkân allerdings und untermauert ihn mit dem seltsamen Argument:

"Es kann nur Gutes daraus entstehen."

Was für den Fortlauf der Geschichte sicherlich stimmen mag, für das Verhältnis der Brüder sicherlich nicht.

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