Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Mittwoch, 27. Februar 2008

140. Nacht

Der Oberkammerherr, der inzwischen König Sasân genannt wird, lässt einen der Emire, die ihm die Nachricht übermitteln, Kân-mâ-kân sei verschwunden, am Galgen hinrichten.

Eine Reaktion, die ich nie verstanden habe, die aber anscheinend allzu menschlich ist: Wir tendieren zu Personalisierung. Und dies sollte man wohl auch bei bedenken, wenn man Hiobsbotschaften zu überbringen hat: Entweder positiv formulieren oder eine Lösung in petto haben.

Sasân lässt erfolglos nach ihm fahnden. Kân-mâ-kân indessen irrt durch die Wüste, bis er auf eine Oase stößt, wo er sich erfrischt, betet und des nachts jemanden in Versen wehklagen hört. Am nächsten Morgen sieht er, dass es sich um einen Beduinen handelt,

und die Spuren der Liebesqual waren an ihm zu erkennen.

Doch lässt er es an Respekt vermissen, weil Kân-mâ-kâns Kleider etwas heruntergekommen sind. Er heißt Sabbâh, und auch sein Onkel verweigerte ihm die Cousine, indem er eine horrende Brautgabe forderte:

fünfzig Rosse, fünfzig starke Reitkamelinnen, fünfzig Lastkamele mit Weizen beladen und ebenso viele mit Gerste beladen, zehn Sklaven und zehn Sklavinnen.

Unklar, warum das Reitkamel weiblich sein muss.

Um an diese Waren zu gelangen, will er vor den Toren Bagdads einem reichen Kaufmann auflauern und ihn berauben.
Als sich Kân-mâ-kân vorstellt, will der Beduine ihn als Geisel nehmen, um so auf einfacherer Weise an Geld zu gelangen. Ähnlich wie Karl May packt er ihn bei der Ehre:

"Wenn du mich als Gefangenen und als deinen Diener mit dir schleppen willst, so wirf deine Waffen hin, lege deine Oberkleider ab, tritt zu mir heran und ringe mit mir!"

Kân-mâ-kân ringt ihn nieder und will ihn in den Fluss werfen, lässt sich aber von des Beduinen Beteuern einlullen und lässt ihn frei, woraufhin dieser, ebenfalls ganz nach der Art der Schurken, die wir aus Karl Mays Romanen kennen, zu seinen Waffen springt. Kân-mâ-kân erbittet den Schild, während der Beduine mit dem Schwert kämpft und schließlich erwartungsgemäß verliert. Daraufhin schwört er den heiligsten Eid, ihn

immer als Freund zu geleiten und auf allen Wegen zu begleiten.

Die beiden essen und beten zusammen und begeben sich nach Bagdad, Sabbâh voraus. Während Kân-mâ-kân noch wartet, da er sich schämt, als Bettler zurückzukehren. Kurz danach begegnet ihm ein sterbender Reiter auf einem edlen Pferd, der ihm berichtet, dass das Pferd dem König Afridûn gehöre und er es  von ihrer Anführerin Dhât ed-Dawâhi stahl, kurz bevor sie Bagdad erreichten.

Dienstag, 19. Februar 2008

139. Nacht

Der Oberkammerherr begibt sich zu seiner Frau Nuzhat ez-Zamân und befiehlt, seinem Stiefneffen Kân-mâ-kân den Zugang zu Frauen zu verweigern. Als dieser davon erfährt, begibt er sich vor Trauer an den Stadtrand. Erst als seine Mutter wieder zum Sultanspalast kommt, um Nahrung für sich und ihren Sohn zu holen, erfährt sie von Kudijâ Fakân, dass diese ihn eigentlich liebte, ihn aber wegen seiner Feinde abwies.

Denn sieh, meine Sehnsucht nach ihm ist doppelt so groß wie die seine nach mir; ach meine Zunge kann meine Leidenschaft für ihn gar nicht beschreiben.

O meines Oheims Sohn, ich trag in meiner Sehnsucht
Das gleiche, was dein Herz erträgt in bittrer Pein.
Doch ich verbarg den Menschen meine heiße Liebe -
Warum verbargst du nicht auch die Liebe dein?

Er erfährt davon und quält sich nun noch mehr. Und als er siebzehn Jahre alt wird, flieht er in die Wüste. Schon bald erfährt das Volk Bagdads vom Verschwinden Kân-mâ-kâns:

Und klagend über die Härte des Schicksals sprachen sie: "Was widerfuhr wohl dem Kân-mâ-kân, dass er seine Heimat verließ, von hier verbannt, während durch seinen Vater jeder Hungernde Sättigung fand, und jener einst mit Gerechtigkeit und Güte herrschte im Land?"

Erstaunlich, dass sie Dau el-Makân so in Erinnerung behalten haben, wo er sich doch jahrelang in Griechenland getummelt hat.

Sonntag, 10. Februar 2008

138. Nacht

Sowohl Kân-mâ-kân als auch Kudija-Fakân wachsen zu schönen jungen Menschen heran, wie in beispielhaften Versen betont wird.
Kân-mâ-kân erdreistet sich auf einem Fest, ihre Schönheit zu loben und seine Liebe zu gestehen, nicht ohne dieses Bekenntnis in Verse zu kleiden:

Wann wird das Herz des Betrübten geheilt vom Schmerz des Fernseins?
Wann lächelt des Wiedersehen Mund? Wann hat die Trennung ein End?
O wüsste ich doch, ob ich je einmal eine Nacht verbringe
Nahe der Lieben, die selbst einen Teil meiner Qualen kennt!

Kudija-Fakân ist darüber empört und droht Kân-mâ-kân, dies dem Oberkammerherrn zu melden, der ja nun inzwischen Sultan von Bagdad und Chorasân ist.

Völlig unklar: 1. Wie ist denn deren Verhältnis, wenn die beiden doch eigentlich "vermählt" sind? 2. Wieso wird der jetzige Sultan immer noch "Oberkammerherr" genannt, ohne dass wir je seinen Namen erfahren?

Dienstag, 5. Februar 2008

137. Nacht

Tâdsch el-Mulûk feiert einen Monat lang Hochzeit mit Dunja.

und sie lebten hinfort immerdar herrlich in Freuden, bis der Zerstörer aller Wonnen zu ihnen kam.

***

Fortsetzung der Geschichte des Königs ibn en-Nu'mân und seiner Söhne.

Der Wesir Dandân hat seine Geschichte beendet, und allgemein wird festgestellt, dass man ja nun schon seit vier Jahren vor Konstantinopel lagert, die Truppen murren. Und Dau el-Makân beginnt, sich nach Weib und Kind zu sehnen.

Alles gute Gründe für die Beendigung eines jeden Krieges.

Man zieht also zurück nach Bagdad

Die Daheimgebliebenen scharten sich um die Heimkehrenden, und jeder Emir ging in sein Haus. Der König aber zog zu seinem Schlosse und begab sich zu seinem Sohne Kân-mâ-kân, der nun schon sein siebentes Lebensjahr vollendet hatte und bereits auszureiten pflegte.

Hab ich da etwas in der Zeitrechnung versäumt? Ich denke, es waren nur vier Jahre vor Konstantinopel?

Meinen ersten alleinigen Ausritt habe ich übrigens mit 9 Jahren gewagt. Das Fahrrad hatten mir meine Eltern zum Geburtstag mit der Bedingung geschenkt, ich dürfe mich damit nur durchs Wohngebiet bewegen. Also in den Grenzen Wilhelm-Guddorf-Str./Frankfurter Allee/Harnackstr.



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Sorina Albrecht überredete mich, die Spritztour auszuweiten, und so radelten wir bis zum Tierpark, und da die Straße "Am Tierpark" damals noch nicht so dicht befahren war wie heute, erlaubten wir uns, singend schöne Schlängellinien mit unseren Fahrrädern auf der Schnellstraße zu fahren. Der Weg nach Hause gestaltete sich ein wenig schwierig, da wir ein wenig die Orientierung verloren hatten. Als ich gegen 20 Uhr zuhause eintraf wurde der Ärger meiner Eltern nur unwesentlich von ihrer Erleichterung mich wohlbehalten wiederzusehen relativiert. Mein Vater hatte bereits die Jacke angezogen, um die Polizei zu verständigen, meine Schwester hatte durch eine Lippenverletzung den Stress in der Familie noch befördert. Seltsamerweise wurde die Beschränkung aufs Wohngebiet nach diesem Vorfall nicht etwa verschärft, sondern aufgehoben. Komisch, diese Erwachsenen.

Der Heizer, der Dau el-Makân damals so viel geholfen hatte, soll nun endlich seinen Lohn erhalten.

Nun war jedoch der Heizer dick und fett geworden, und sein Gesicht wie der Bauch eines Delphinen gar. Auch war er stumpfen Geistes geworden, da er sich nie von der Stätte, an der er sich befand, gerührt hatte.

Nach einigem Hin und Her, Nichtwiedererkennen, zu bescheidene Bitten usw. macht man ihn zum Statthalter von Damaskus.

Max Weber unterscheidet drei Typen legitimer Herrschaft: rationale, traditionale und charismatische Herrschaft. Womit mag man es hier zu tun haben? Das Charisma eines Delphinbauchs.

Er möge, so Dau el-Makân beim Abschied, sich binnen zwei Jahren zum Kampf gegen die Ungläubigen bereitmachen.

Ein fetter Heizer als Heerführer?

Kudija-Fakân, die Tochter Scharkâns, wird von Dandân, der den Heizer zur Amtseinsetzung begleitete nach Bagdad zurückgebracht. Sie und Kân-mâ-kân wachsen gemeinsam auf.

Nur zeigte es sich, dass Kudija-Fakân umsichtig und verständig war und auf den Ausgang einer Sache achtete, während Kân-mâ-kân großherzig und freigebig war.

Nach weiteren vier Jahren setzt Dau el-Makân, der inzwischen Todesahnungen hat, seinen Sohn zum Sultan ein und bestellt den Oberkammerherrn zum Vormund über ihn.
Außerdem werden Kân-mâ-kân und Kudija-Fakân miteinander verheiratet,

was beachtlich ist, da Kudija-Fakân ja schon immerhin die Tochter von Bruder und Schwester war. Aber Vermeidung von Inzucht wird in dieser Geschichte und überhaupt in der damaligen islamischen Aristokratie nicht groß geschrieben.

Dau el-Makân spürt den Tod kommen und beauftragt nun seinen Sohn, die Rache für Scharkân zu übernehmen und Dhât ed-Dawâhi zu bestrafen.
Als Dau el-Makân nach vier Jahren Krankheit stirbt, setzt das Volk von Bagdad Kân-mâ-kân ab.

Historisch ziemlich unwahrscheinlich, dass das "Volk" daran einen Anteil gehabt haben soll. Eher die Würdenträger und Machthaber, die um ihre beim Oberkammerherrn erworbenen Privilegien fürchten.

Kân-mâ-kâns Mutter, die Witwe von Dau el-Makân, wendet sich nun ihrer Trauer an Nuzhat ez-Zamân, ihre Schwägerin, die ihr Ehrenkleider und eine Wohnung in ihrem Schloss zuweist.