Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Mittwoch, 19. März 2008

148. Nacht

Das elfte Buch Nummer von rechts aus dem Regal Theaterstücke und Märchen:

Gustav Schwab: Deutsche Heldensagen

Erworben: Unklar.
Status: einige der Sagen gelesen.
Erster Satz: In jener alten Heldenzeit, da König Artus in Britannien mit seinen edlen Rittern Tafelrunde hielt, wohnte in den Niederlanden ein König mit Namen Sieghard, dessen Gemahlin einen einzigen Sohn hatte.
Kommentar: Schwab hat sich ja einerseits um die Verbreitung der Sagen verdient gemacht, andererseits ist ihm auch eine gewisse Verkitschung nicht abzusprechen. Von der üblen Deutschtümelei mal ganz abgesehen.

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Die Geschichte vom Einsiedler und den Tauben

Ein frommer, ständig betender Einsiedler lebt mit einem Taubenpärchen zusammen, welches viele Nachkommen hat. Als der Einsiedler stirbt, zerstreuen sich die Tauben.

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Die Geschichte von dem frommen Hirten

Ein Hirte lebt auf einem Berg mit Schafen und Ziegen und wird von Raubtieren verschont.

Klingt nach Schneewittchen - die reine Unschuld wird auch von Raubtieren respektiert.

Allah lässt ihn als Prüfung erkranken und schickt ihm einen als Frau getarnten Engel, der ihn verführen soll.

Die göttliche Prüfung ist ein Schema, das ich nie verstanden habe: Jesus wird zum Beispiel vom Satan versucht. Hiob durch Gott geprüft. Sind Engel und Teufel nur Agenten Gottes? Und wenn ja, dann kann doch der Teufel so bös auch nicht sein, wenn er denn Gottes Werkzeug ist. Oder Gott nicht so gut, wie immer behauptet wird. Oder die Unterteilung gut/böse stimmt nicht.

"Ich selbst biet mich dir an, weil du der weiblichen Dienste bedarfst; und wenn du mir beiwohnst, so wird deine Krankheit von dir weichen, und du wirst es bereuen, dass dir bisher in deinem Leben soviel von dem Verkehr mit den Frauen entgangen ist."

Aber ganz dem sexualfeindlichen Moralkodex gehorchend lehnt der Fromme ab.
Ein nicht weit entfernt wohnender Gottesmann erfährt von jenem frommen Hirten und will ihn aufsuchen. Als er den Berg besteigt, fliehen jedoch die Tiere vor ihm. Dies beklagt er, und wandert weiter zu dem Hirten, bei dem er in Gottesfurcht lebt, bis sie irgendwann sterben.

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Da sprach der König: "Oh Schehrezâd, du hast mich nun schon gelehrt, meine Königsherrschaft für eitlen Tand zu erachten und die Hinrichtung so vieler Frauen und Mädchen zu bereuen! Sag, weißt du noch eine Geschichte von den Vögeln?"

Eigentlich könnte die Rahmenhandlung hier aufhören. Schehrijâr ist bekehrt. Ende gut, alles gut. Aber schließlich ist ja Schehrezâd seine Gattin und noch nicht am Ende ihrer Mission.

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Die Geschichte vom Wasservogel und der Schildkröte

Ein Wasservogel entdeckt in einem Fluss einen menschlichen von Lanzenstichen entstellten, aufgequollenen Leichnam, der auf einen Fels gespült wird. Er will sich gerade von ihm ernähren, als ein Geier und ein Adler herbeifliegen, und der Wasservogel nimmt Reißaus. Auf einer Insel eines anderen Flusses trifft er eine Schildkröte, die ihn in seinem Kummer tröstet. Lange Zeit später fliegt er wieder zu dem Felsen, der Mensch besteht nur noch aus Knochen, die Raubvögel sind verschwunden. Die Schildkröte zieht mit ihm.

Unklar, ob er sie trägt oder ob sie jahrelang kriecht.

Sprichwort: Die Welt ist die Stätte dessen, der keine Stätte besitzt, und nur der lässt sich von ihr betören, der keinen Verstand besitzt.

Die beiden leben nun glücklich, bis ein hungriger Falke den Wasservogel tötet.

Und so hatte ihm auch seine Vorsicht nicht mehr genützt, als seine Zeit erfüllet war. Der Grund aber, weshalb er getötet wurde, war der, dass er es versäumte, Gott zu preisen.

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Schehrijâr bittet um eine Geschichte über die Tiere des Feldes. Schehrezâd beginnt.

Die Geschichte vom Wolf und vom Fuchs

Der mit dem Wolf lebende Fuchs ermahnt eines Tages den Wolf, es nicht zu weit zu treiben, der Mensch könne ihn womöglich überlisten. Der Wolf antwortet:

"Wie kommst du dazu, über große und wichtige Dinge zu reden?" Dann gab er dem Fuchs einen Schlag auf die Backe, dass er bewusstlos niederfiel.

Und nicht etwa der Wolf, sondern der Fuchs entschuldigt sich:

Hab ich denn eine Sünde früher einmal begangen
Aus Liebe zu dir, und hab ich getan, was nicht frommt,
So reut mich mein Vergehen, und möge deine Verzeihung
Den Sünder umfassen, wenn er Vergebung erbittend kommt.

Ein Schelm, wer dabei an Didi und Stulle von Phil Tägert denkt

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