Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Montag, 7. Juli 2008

170. Nacht

Die Geschichte von Kamar ez-Zamân

Wieder haben wir es mit einem König - namens Schehrimân - zu tun, der in hohem Alter noch keinen Sohn hat und ob dieses Problems seinen Minister befragt.

Jener Wesir antwortete ihm: "Vielleicht wird Gott doch etwas geschehen lassen. Drum vertraue auf Allah, o König, und bete zu ihm inständigst!"

Was sonst sollte der Wesir auch raten. Vielleicht ist das inständige Beten übrigens tatsächlich auf eine Art hilfreich. Immerwährendes Beten erschöpft, so wie das ständige Sprechen eines Wortes, es verliert den Wortsinn für den Sprecher. So kommt man in einen Zustand des inneren Loslassens. Vielleicht nicht unwichtig für einen alternden König mit Erektionsproblemen.

Er hält sich an des Wesirs Anweisung und tatsächlich empfängt die Gemahlin und gebiert ihm einen schönen Knaben, den sie wegen seiner Schönheit Kamar ez-Zamân nennen.

Ich vermute, die Geschichte spielt in Persien.

Als der Sohn alt genug ist, will der König ihn vermählen, doch dieser sträubt sich.

Wen ihr mich nach Frauen fragt, so wisset:
Ich kenn die Art der Frauen alleweil.
Ergraut des Mannes Haupt und schmilzt sein Geld,
Hat er an ihrer Liebe keinen Teil.

Es fragt sich, ob hier Misogynie, Homosexualität oder Angst vor dem Erwachsenwerden der Hauptgrund dieses immer wiederkehrenden Motivs ist.

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