Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Dienstag, 15. Juli 2008

209. Nacht - Luhmanns Gesellschaft der Gesellschaft und Russenparfum

Mein Laptop-Kabel war defekt. Ich kaufte mir ein neues bei Ebay. Kann man dem Verkäufer vorwerfen, dass das Kabel nach billigem Parfüm stinkt? Ich sehe regelrecht den einsamen dicken Laptop-Kabel-Händler in seiner traurigen mit Laptop-Kabeln zugehängten Wohnung, und stündlich versucht er, sich über seine Existenz mit Parfüm zu trösten. Da aber der Laptop-Kabel-Handel nicht so viel einbringt, langt es nur zu billigem Parfüm.
Ich kann den Laptop nur noch im Batteriebetrieb bedienen und muss die Akkus in meinen Arbeitspausen über besagtes Kabel aufladen. Wichtig: Händewaschen nicht vergessen, sonst träumt man beim Mittagsschlaf von einsamen dicken Laptop-Kabel-Händlern, die sich über ihr billiges Leben mit billigem Parfüm trösten.
Das Tolle am Internet ist, dass man andere an sinnlichen Wahrnehmungen teilhaben lassen kann: Musik, Texte, Bilder, Filme usw. Nur Geruch- und Geschmackswahrnehmungen waren bisher von er Datenfernübertragung ausgeschlossen. Ich habe nun extra das Dateiformat .muff kreiert, dass einfache Gerüche wie z.B. billiges Russenparfüm digital komprimiert speichern kann:
Download: www.danrichter.de/leckerbissen/2008/parfum.muff
Den Muff-Player veröffentliche ich demnächst.

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Regal Soziologie

Elftes Buch von links

Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft

Erworben: 26.1.2003 im 10bändigen Schuber
Status: Von 2003 bis 2006 ca. 1 Seite täglich gelesen.
Erster Satz: "Die folgenden Untersuchungen betreffen das Sozialsystem der modernen Gesellschaft.
Kommentar: Im Nachhinein bereue ich es beinahe, diesen Blog nicht zu "Gesellschaft der Gesellschaft" zu schreiben, sondern manchmal mich durch langwierige Storys über orientalische Liebende, die nicht zueinander kommen, zu fräsen. "Die Gesellschaft der Gesellschaft" ist eines der wichtigsten Bücher, die ich je gelesen habe. Das letzte große von Luhmann zu Lebzeiten fertiggestellte Werk. Er schreibt hier völlig auf der Höhe seiner intellektuellen und stilistischen Fähigkeiten. Die Zeiten des vorsichtigen Stocherns im Moor der neuen Theorie (wie z.B. in "Soziale Systeme) sind vorbei. Er weiß, worum es ihm geht, er bewegt sich sicher in seiner eigenen Theorie und muss sich nicht in einem fort links und rechts mit hölzernen Begriffen und unübersichtlicher Syntax absichern.

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Prinzessin Budûr nimmt ein Bad

Offenbar allein, sonst flöge der Schwindel auf.

Armanûs, der König der Ebenholzinseln ist erfreut über die Ankunft Budûrs, da er glaubt, nun einen Schwiegersohn gefunden zu haben:

"Drum soll sie dein sein, mein Sohn."
(...) Da senkte die Herrin Budûr ihr Haupt und vor Verlegenheit perlte ihre Stirn von Schweißtropfen.

Sie befürchtet, Armanûs würde, falls sie ablehnt und weiterreist, ihr hinterherjagen und sie töten lassen, andererseits käme bei einer Hochzeit die Wahrheit heraus.

Intoleranz gegenüber Homo-Ehe auf den Ebenholz-Inseln

Budûr willigt ein, und der König verpasst ihr die Sultanswürde. Es wird ein Fest gefeiert, die Emire einberufen,

und ein jeder, der sie anblickte, ward durch das Übermaß ihrer Schönheit und Anmut so erregt, dass er seine Hosen nässte.

Die Hochzeit mit Hajât en-Nufûs wird rasch gefeiert, und als die beiden alleingelassen werden, tut Budûr nichts als Trauer-Verse rezitieren und Hajât en-Nufûs auf den Mund zu küssen. Dann dreht sie sich um und schläft.
Am nächsten Tag regiert Budûr und spricht Recht. Sie verleiht den Emiren Ehrengewänder und schafft die Gebühren ab.
Als sich Budûr auch in der zweiten Nacht nicht um die Entjungferung Hajât en-Nufûs' kümmert, beklagt sich diese am nächsten Morgen bei ihrem Vater, der ihr verspricht, Budûr in dem Falle der weiteren Penetrations-Veweigerung ihrer Ämter zu entkleiden und sie aus dem Land zu jagen.

 

 

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