Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Sonntag, 22. Februar 2009

22.-23.1.2007

Der Schnee schmilzt. Ich entdecke erste weiße Härchen im Bart. Wer mich künftig noch als "jungen Autor" bezeichnet, verdient es, Ausmecker zu kriegen.

Mo, 22.1.07

Die Reckstange im Flur ein gutes Trainingsgerät, so dass ich wenigstens ein kleines bisschen zum Sport komme, denn Sport scheint mich doch immer wieder aus Phasen der Demotivierung emporzuholen.
Angenehme Routinen nach großen Aktionen wie Reisen oder eben einem Umzug wiederherzustellen, scheint schwer, man muss sich aber bemühen. Montags Website aktualisieren.
Das Goethe-Institut will von uns wissen, wieviel Geld wir wollen. Immer dieses Hickhack. Warum können uns Veranstalter nicht einfach ein faires Angebot machen, und dann kann man sagen, ob das geht oder nicht. Wir können doch deren Budget nicht erraten.
Meine alte Telefonnummer funktioniert wieder. [Nachtrag 2009: Dass ich drei Wochen lang nur unter einer anderen Nummer erreichbar war, hatte zur Folge, dass mich bis heute noch einige Leute versuchen, unter dieser zu erreichen.]

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Jochen über die Achtzehnjährige, die ihm (wie und wann auch immer) berichtet, was sie liebt und was sie hasst. Man liest die Liste und taucht in ein Universum. Soll man sie um die Eindeutigkeit der Urteile beneiden oder froh sein, dass man diese adoleszente Radikalität hinter sich gelassen hat.
"Sie (...) mag Donald Duck, aber nur von Carl Barks gezeichnet."
"Sie mag keine Comics mit sprechenden Tieren."
Welche widersprüchlichen Vorlieben und Animositäten ließen sich bei mir finden? Ich arbeite ja daran, vor allem meine Mäkligkeiten abzubauen. Jedes Jahr mindestens einmal Fisch essen. Bei Ingwer hat es schon geklappt. Aber: Ich kann über Orthographie-Fehler und -Schwächen anderer leicht hinwegsehen. Aber es macht mich wahnsinnig, wenn jemand die Akzent-Taste ´ statt der Apostroph-Taste ' benutzt.

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J.S./M.P.: "'Unverschämte Domestiken' dringen in die Salons ein und trinken dort Orangeade."
Wie im Atelier89 oder im Knaack. Als man in diese Welten stieß und auf Ältere stieß, berichteten diese davon, dass es früher cooler, besser, aufregender gewesen sei. Und selbst hatte man mit Ende Zwanzig auch das Gefühl, die jetzigen Besucher seien viel zu kindisch und verstünden nicht, worum es ging. Sie tranken die falschen Getränke, tanzten zur falschen Musik, bewegten sich falsch und waren so unangenehm jung. Wie aber soll man bei etwas, das einem so viel bedeutet hat, die Vogelperspektive einnehmen und sich sagen, dass es diese brutalen Routinen des Generationenwechsels immer gegeben hat?
Die Kategorie "Verlorene Praxis" wird immer mehr in Richtung "bemerkenswertes Verhalten" erweitert. Schadet nix.

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Di, 23.1.07

Mein altes Nokia-Handy wird unbrauchbar. An das kaputte Display hatte ich mich schon gewöhnt. Die Akkudauer ist nun aber völlig inakzeptabel. Die Schwierigkeit besteht nun darin, ein Handy zu finden, das einerseits sehr gut ist - gute Bedienbarkeit, leichte Handhabung, das mich aber vor weiteren Zusatzfunktionen wie Fotoapparat und und mp3-Player verschont, das habe ich schon, und zwar besser als in der Quasi-Funktionalität bei Handys.

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Überraschende Information: Auch Jochens Eltern spielen Skat. Ich hatte eher Dame oder vielleicht sogar Bridge erwartet.
J.S.: "Seit ich mit achtzehn ausgezogen bin, habe ich im Grunde kein Zuhause mehr." Ist Zuhause, wo Familie ist?
Die ewige Partnersuche. Die lauernde Angst im Hinterkopf, es könnte die Falsche sein. Oder die Angst vor der Trennung, weil es ja vielleicht doch die Richtige ist. Vor was für Qualen einen die Freiheit der Wahl setzt. Wären wir unglücklicher, wenn wir, eine sexuell autoritärere Gesellschaft vorausgesetzt, die Erste geheiratet hätten und mit ihr alt geworden wären?
All die Freiheiten, die einem die Gesellschaft bietet, führen zu psychischen Verwerfungen, an denen die Ratgeberbuch-Industrie verdient:
- Aufräumen
- Partnerwahl
- Konzentriert arbeiten
- Gesundheitstipps
- Aufmerksam und freundlich sein
Vieles davon würde sich ja schon erledigen, wenn man die Ratschläge der Eltern stur beachten würde. Aber die spielen ja auch nicht mehr ihre Rolle als Autoritätsfiguren, sondern kicken ihre Kinder in die Freiheit.

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Marcel erkennt in der dicken Dame seine Jugendliebe Gilberte nicht wieder.
Unklar: Für Jochen ist der "Aufbruch à l'anglaise" unklares Inventar.

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