Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Mittwoch, 4. November 2009

269. Nacht g)

Das Problem unter uns freiwurschtelnden Künstlern immer wieder: Wie hältst du's mit der Disziplin? Sie scheint uns zunächst wie eine Einschränkung der Freiheit, aber wenn wir ziellos durch die Tage mäandern, gehalten von den Verpflichtungen, die man irgendwann eingegangen ist, dann werden die als konservativ abgetanen Rituale ersetzt durch dumme Angewohnheiten. Niemand sagt mir, wann ich zu Bett gehen muss, niemand zwingt mich, den Wecker zu stellen. Und wenn ich dann um 3 Uhr schlafen gehe und um 10 Uhr gerädert aufstehe, weiß ich, dass der Tag nicht so abgelaufen ist, wie er es sollte. Schlimmer noch, wenn man Tätigkeiten als Arbeit verbucht, die eigentlich nur Privat-Entertainment sind, was ohnehin schon verschwimmt, wenn man im künstlerischen Sektor arbeitet und das auch noch mit einem Arbeitsmittel, das zugleich Inspiration beflügeln, Information besorgen, Unterhaltung bereitstellen, Verwaltung und Kommunikation erleichtern und beim Schreiben helfen soll.

*

Für den Sultan ist die Annullierung der Ehe ein dicker Brocken, denn

er hatte schon vor Freuden die zehn Heiligen angerufen, weil ihm ein solches Glück widerfahren war.

Das wäre natürlich mal interessant zu erfahren, von welchen Heiligen hier eigentlich die Rede ist. Im Islam gibt es sie jedenfalls nicht.

Inzwischen sind die drei Monate verstrichen und Alâ ed-Dîns Mutter kommt wieder zum Sultan, um die Vermählung mit ihrem Sohn einzufordern. Der Sultan grämt sich, da

"sie arme Leute sind und nicht zu den Vornehmen gehören."

Der Wesir rät, vierzig Schüsseln aus reinem Waschgold zu verlangen, ferner vierzig Sklavinnen, die die Schüsseln tragen, und vierzig Sklaven.

Soll der Wesir wirklich Waschgold (statt Berggold) gefordert haben? Die Sklavinnen müssten dann aber auch ordentlich durchtrainiert sein, wenn sie die Schüsseln schleppen sollen.

Der Lampengeist sorgt erwartungsgemäß für die Erfüllung des Auftrags. Die Sklavinnen (nebst Eunuchen) marschieren durch die Stadt,

von denen eine jede sogar einem Gottesmanne den Verstand hätte rauben können.

Doch der Wesir ist immer noch von Neid zerfressen:

"Hoher Herr, alle Schätze der Welt sind nicht so viel wert wie ein Nagel von der Hand deiner Tochter."

Diesmal jedoch lässt sich der Sultan nicht abbringen und lässt nach Alâ ed-Dîn schicken. Dieser lässt sich vom Mârid noch ein Bad bescheren, Scherbett und ein Königsgewand. Weiterhin: 48 Mamluken mit Rössern, Rüstungen und Waffen, einen Hengst, wie ihn die Perserkönige reiten, achtunvierzigtausend Dinare und zwölf Sklavinnen. Auf seinem Weg zum Palast wird er vom Volk, dem er Geld zuwirft, bejubelt. Der Sultan ist entsprechend überrascht.

Die Frage liegt nahe, warum dann Alâ ed-Dîn seine Mutter andauernd in Lumpen herumlaufen lässt.

Dann bedachte er auch die reine und feine Redeweise Alâ ed-Dîns.

Wo Alâ ed-Dîn die so schnell gelernt hat, erfahren wir allerdings nicht. Es sprengte vielleicht auch die Macht der Geister, Wünsche nach geistigen Gütern zu erfüllen:

Der Sultan begann, sich mit Alâ ed-Dîn zu unterhalten und mit ihm zu plaudern, während dieser ihm mit aller Höflichkeit und Feinheit der Rede antwortete, als ob er in den Palästen der Könige erzogen wäre.

"Joanne K. Rowling: "Während ich am ersten Band arbeitete, habe ich zahllose Notizen gemacht, wie Zauberei funktioniert, und - ganz, ganz, ganz wichtig - wo ihre Grenzen sind."

Alâ ed-Dîn will aber noch mehr, nämlich für die Prinzessin ein Schloss bauen:

"Ich kann nicht eher zu ihr eingehen, als bis das geschehen ist."

Süße Tugend. Ich hab nicht mal eine Eigentumswohnung.

Und natürlich erledigt der Geist auch diese Aufgabe, ohne groß rumzunörgeln. Seitenweise Beschreibungen des Interieurs. Aber dann

"Ich wünsche mir von dir eins, das noch fehlt und das ich dir zu sagen vergessen habe (...) einen großen Teppich aus Brokat (...), der, wenn er ausgebreitet ist, sich von meinem Schlosse bis zum Sultanspalast erstreckt."

Man muss wohl annehmen, dass hier nicht Alâ ed-Dîn etwas vergessen hat, sondern Galland, der zu faul war, sein Geschreibsel neu zu ordnen. Sloppy writing in den Zeiten vor Copy&Paste.

Das Ehebündnis wird vor den Kadis geschlossen.

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