Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Montag, 21. Dezember 2009

270. Nacht b)

Wenigstens das Best-Of-Kantinenlesen-2009 spendet mir doch Freude, an einem Tag, der mir viele Schmerzensnachrichten bringt: Verwandte schwerkrank, Freunde leiden an Schmerzen, Meinungsverschiedenheiten doch nicht friedlich ausgetragen, Probe fällt aus, Hakeleien, wo die Chaussee der Enthusiasten nun bald auftritt. Woher die Inspiration zum Schaffen nehmen? In die Zeitung wagt man gar nicht zu schauen bei den Nachrichten, die man im Radio hört.

*

Inhaltlich nicht viel anders als Simeliberg: Ali Babas Frau besteht darauf, das Geld zu zählen oder wenigstens mit einem Scheffelmaß zu messen, dass sie sich von ihrer Schwäherin borgt, die schon beim Ausborgen skeptisch den Boden des Maßes mit Wachs beschmiert, und dann umso erstaunter ist, dass sich nicht Getreide, sondern ein Golddinar darin befindet.

Diese Grundidee, einen Armen das Gold mit einem Scheffel zu messen, da er zum Zählen nun keine Zeit mehr hat, ist schon wirklich originell. Im "Simeliberg" und bei Andersen wird allerdings Pech statt Wachs benutzt.
"Schwäherin" ist hier übrigens die Frau des Schwagers, auch wenn Wikipedia es anders sieht.

Vor lauter Neid muss nun Ali Babas SchwäGerin weinen. Sie stachelt ihren Mann an

Natürlich sind wieder die Weiber schuld...

Kâsim fordert nun von seinem Bruder nicht etwa einen Teil des Schatzes, sondern das Zauberwort, die ihm dieser verrät:

"Hüte dich, sie zu vergessen."

Foreshadowing

Mit zwölf Maultieren geht dieser nun zum Berg, öffnet ihn, und schon als er den ersten Sack heraustragen will, vergisst er den Spruch. Statt Sesam probiert er nun Gerste, Weizen, Kichererbse und weitere Kornfrüchte aus. Vergeblich. Die Räuber fangen ihn, stoßen ihm eine Lanze durch die Brust und hängen ihn zur Abschreckung gevierteilt am Eingang auf. Kâsims Weib (deren Namen wir übrigens nicht erfahren) weint vor Sorge die ganze Nacht.

Doch sie enthielt sich, so laut zu schreien, wie es sonst die Frauen zu tun pflegen; denn sie befürchtete, die Nachbarn könnten davon erfahren und sie dann nach dem Grunde ihres Weinens fragen.

Am nächsten Morgen klagt sie Ali Baba ihr Leid, der zum Berg geht, die Blutspuren und anschließend auch seinen Bruder findet.

Und so dachte er zunächst daran, dass es ihm als eine religiöse Pflicht obliege, seinen Bruder in das Leichentuch zu hüllen und zu begraben.

Für diesen zweiten Teil der Geschichte braucht Galland, oder wer auch immer der Urheber der Geschichte sein mag, 14 Seiten. Und doch geht sie an dieser Stelle, wo Simeliberg endet, erst richtig los. Ich verrate hier nur, dass die schöne Sklavin Mardschâna eine Rolle spielen wird. Nach Alâ ed-Dîn und Prinzessin el-Budûr klaut Galland nun auch den Namen Mardschâna aus der Geschichte von Alî ibn-Bakkâr und Schams en-Nahâr.

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