Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Dienstag, 2. März 2010

271. Nacht - d)

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Gebrauchsanweisung für Großstädte

1. Das Dörfchen in der Stadt
Glaube nicht, die ganze Stadt bewohnen zu müssen. Nutze ein paar wenige Orte, in denen du arbeitest, wohnst, dich erholst. Vor allem junge Kleinstadtbewohner, die in die Großstadt ziehen, sind zunächst vom kulturellen Überangebot fasziniert, dann gestresst und irgendwann überfordert. In deiner Kleinstadt gab es alle 10 Wochen eine Theaterpremiere. Hier gibt es 10 Theaterpremieren pro Tag! Vergiss das "Das muss man gesehen haben", das dir deine neuen Freunde einzureden versuchen. Gar nichts muss man. Behalte die Übersicht über deine Gegend.

2. Behalte die innere Ruhe inmitten der Hektik.
Hektik steckt an. Behalte deine innere Ruhe. Vor allem im Straßenverkehr. Bedenke, dass jeder sein eigenes Timing hat. Lass es ihnen.
Wenn dich die Hektik erfasst hat, tu weniger und das richtig.

3. Ignoriere das Ignorierbare.
Wie du schon bemerkt haben dürftest: Die Stadt ist voller Freaks und Verrückter. Aber du bist einer von ihnen. Lass dich nicht vom Wahnsinn in die Irre oder in den Ärger treiben. Kleine Regelverstöße sind Teil des Großstadtalltags.

4. Bewahre dir Empathie und Zivilcourage
Ignoriere nicht das, was man nicht ignorieren darf. Dutzende mögen an einem Mann der auf einer Treppe zusammengebrochen ist, vorübergehen. Hilf ihm!
Schreite ein, wo man einschreiten muss. Du kannst den Hundebesitzer, der den Dreck seines Tieres nicht beseitigt, ignorieren, nicht aber jemanden, der einen anderen bedroht.

5. Natur
Großstädte sind Betonwüsten. Großstadtbewohner leben tendenziell kürzer. Suche Luft, Licht, Natur und Bewegung. Täglich.

6. Sei ein guter Nachbar.
Je mobiler wir sind, umso distanzierter wird unser Verhältnis zu unseren Nachbarn. Baue zu ihnen ein gutes Verhältnis auf. Gegenseitige Hilfe und Rücksichtnahme ist wichtiger als Recht behalten.

7. Nimm Übles nicht persönlich
Der blökende Busfahrer, die betrunkene Radfahrerin, der fiese Fahrkartenkontrolleur - sie scheinen es alle auf dich abgesehen zu haben. Haben sie nicht. Sie leiden heute lediglich an der Großstadt. Es hat nichts mit dir zu tun.

8. Entdecke die Stadt
Wohne in deinem Viertel, aber suche von Zeit zu Zeit immer wieder ungewöhnliche Orte in deiner Stadt auf.

9. Tu Gutes, aber erwarte es nicht.

10. Sieh das Ganze
Eine Großstadt ist ein ungeheuer komplexer Prozess. Mach dir die Mühe und versuche, sie dir vorzustellen, als von dir geschaffenes Räderwerk, in dem alles seinen Platz hat. Sei jedem dankbar für seine Arbeit hier.

11. Genieße die Freiheit.

 

***

 

Man hätte es sich denken können, aber die Hexe rät nun dem trübsinnigen König, den Sohn eine weitere Aufgabe lösen zu lassen:

"Du brauchst dem Prinzen Ahmed nur zu befehlen, dir Wasser aus dem Löwenquell zu bringen. Er muss notgedrungen um seiner Ehre willen deinen Wunsch erfüllen."

Tatsächlich wünscht sich der Vater dies, und Ahmed trägt Perî Banû diesen Wunsch vor, die Böses ahnt, aber ihn instruiert, wie Egon Ohlsen einst seine Gefährten. Um die wilden Löwen, die das Wasser hüten, zu besänftigen, braucht er:
- einen Garnball
- Zwei Rosse
- ein in vier Teile zerlegtes, frisch geschlachtetes Schaf
- eine Phiole
Statt zu Bang Johansen reitet Ahmed nun zur Löwenquelle, besänftigt die Löwen mit dem geschlachteten Schaf, die ihn, nachdem er das Wasser geschöpft hat, auch noch in die Stadt seines Vaters begleiten.

 

Das Wasser der Löwenquelle hat übrigens dieselbe allheilende Wirkung wie der Apfel, den Ahmed zu Beginn der Geschichte bereits besorgt hatte und welcher Nur en-Nahâr geheilt hatte.
Doch auch ein drittes Mal setzt die Hexe dem König einen Floh ins Ohr, und er verlangt nun von seinem Sohn:

"Ich möchte, dass du mir einen Mann bringst, der an Wuchs nicht mehr als drei Fuß misst, aber einen Bart von zwanzig Ellen Länge hat; der soll auf seiner Schulter einen kurzen stählernen Stab, zweihundertsechzig Pfund schwer, tragen, den er mit Leichtigkeit hebt und, ohne die Stirne kraus zu ziehen, um seinen Kopf wirbelt, so wie die Menschen hölzerne Keulen schwingen."

Einen solchen Mann gibt es - den Bruder von Perî Banû.

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