Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Dienstag, 18. Mai 2010

287. Nacht

Zumindest kann man dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten nicht vorwerfen, er sei so eitel, sich in den für ambitionierte Politiker doch so wichtigen Geschichtsbüchern einen Namen machen zu wollen. Röttgens Erwägungen - ob aus wahltaktischen Motiven oder aus ethischen Überlegungen heraus -, für eine deutliche Laufzeitverlängerung der AKW den Bundesrat einzubeziehen, hält Mappus für Eskapaden.

*

Deutsche Großstädte, in denen ich noch nicht war (nach Größe geordnet): Deutsche Großstädte, in denen ich schon war (nach Größe geordnet):

Düsseldorf
Essen
Bremen
Duisburg
Bochum
Wuppertal
Bielefeld (?)
Augsburg
Gelsenkirchen
Mönchengladbach
Braunschweig
Kiel
Krefeld
Oberhausen
Lübeck
Kassel
Hagen
Hamm
Saarbrücken
Mülheim
Ludwigshafen
Herne
Solingen
Leverkusen
Oldenburg
Neuss
Paderborn
Ingolstadt
Recklinghausen (??)
Pforzheim
Offenbach
Bottrop
Bremerhaven
Fürth
Remscheid
Reutlingen
Moers
Koblenz
Bergisch Gladbach
Trier
Salzgitter
Hildesheim (??)

Berlin
Hamburg
München
Köln
Frankfurt am Main
Stuttgart
Dortmund
Hannover
Leipzig
Dresden
Nürnberg
Bonn
Mannheim
Karlsruhe
Wiesbaden
Münster
Aachen
Chemnitz
Halle an der Saale
Magdeburg
Erfurt
Rostock
Mainz
Osnabrück
Potsdam
Heidelberg
Darmstadt
Regensburg
Würzburg
Heilbronn
Ulm
Göttingen
Wolfsburg
Erlangen
Siegen
Jena
Cottbus
Gera

"Was?? Du warst noch nicht in Lübeck?"

Ich klicke mich durch Wikipedia, das unter den Großstädten auch die ehemaligen auflistet, so auch Prag, dass nach der Okkupation de facto zum Deutschen Reich gehörte.
Die Reihenfolge der Annexionen - Sudetenland und dann Böhmen/Mähren - war mir immer unklar geblieben. Auch heute noch ist mir nicht ganz klar, warum diese bewaffnete Annexion noch nicht zum Zweiten Weltkrieg gerechnet wird. Werde hier nicht schlau.
-> Münchner Abkommen
-> Hitlers Diktate an Martin Bormann: Bormann hatte als Heß' Nachfolger in der Funktion des Sekretärs durch seine Nähe zu Hitler teilweise größeren Einfluss und größere Macht als Himmler und Göring. Er versuchte, aus Berlin zu fliehen und nahm sich, einer Zeugenaussage des Reichsjugendführers Axmann zufolge, am 2. Mai das Leben.
-> Blutorden Orden für die Teilnahme am Münchner Hitlerputsch 1923.

*

Der Kalif bittet den alten Fährmann, auch in der folgenden Nacht bereitzustehen.

"Unsere Wohnung ist im Quartier el-Chandak."

Unklar, wo das sein soll.

Der Kalif begibt sich mit seinen beiden Begleitern zurück zum Schloss, man kleidet sich um,

und ein jeder setzte sich auf seinen Platz. Dann traten die Emire und Wesire, die Kammerherren und die Statthalter ein, und die Regierungshalle füllte sich mit Volk.

Am Abend aber gehen sie wieder an den Tigris, um den falschen Kalifen zu beobachten.

Anscheinend ohne zwischendurch zu schlafen? Manche Herrscher wollen ja offenbar dieses Bild verbreiten: Dass sie niemals schlafen. So ja auch Stalin, der wohl tatsächlich nachts arbeitete. Als Image wirkt ein solches Bild tief: Wir sind die Kinder, die vom wachenden Vater beschirmt werden. Diesem Impuls spürte der Kommunismus-Kitsch-Dichter Erich Weinert in seinem Gedicht nach:

Im Kreml ist noch Licht

Wenn du die Augen schließt, und jedes Glied
und jede Faser deines Leibes ruht -
dein Herz bleibt wach; dein Herz wird niemals müd;
und auch im tiefsten Schlafe rauscht dein Blut.

Ich schau’ aus meinem Fenster in der Nacht;
zum nahen Kreml wend ich mein Gesicht.
Die Stadt hat alle Augen zugemacht.
Und nur im Kreml drüben ist noch Licht.

Und wieder schau’ ich weit nach Mitternacht
zum Kreml hin. Es schläft die ganze Welt.
Und Licht um Licht wird drüben ausgemacht.
Ein einz’ges Fenster nur ist noch erhellt.

Spät leg’ ich meine Feder aus der Hand,
als schon die Dämmrung aus den Wolken bricht.
Ich schau’ zum Kreml. Ruhig schläft das Land.
Sein Herz blieb wach. Im Kreml ist noch Licht.

Und natürlich ähnelt das Bild auch dem des Allwissenden Gottes und erzeugt ein Gefühl von Paranoia, das sich schließlich auch erfüllte: Der NKWD hämmerte um drei Uhr nachts an die Tür.

Aber selbst im letzten US-Präsidentschafts-Wahlkampf spielte Schlaflosigkeit eine Rolle: Eines von Obamas Lieblingsworten war "tireless" - unermüdlich. Er forderte seine Unterstützer auf, weniger zu schlafen. Und schließlich versuchte Hillary Clinton, ihn als Penner darzustellen, während sie um drei Uhr nachts, wenn das Telefon klingelt, die Dinge im Griff hat.

 

Allerdings stehen die Dinge um Harûn er-Raschîd ein wenig anders. Schließlich werden seine nächtlichen Eskapaden explizit durch Schlaflosigkeit initiiert.

Wieder in Begleitung von zweihundert Mamluken schwebt der falsche Kalif im Boot vorbei. Und er-Raschîd bietet dem Bootsführer 10 Dinare, wenn dieser im Schatten mitfährt.

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