Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Mittwoch, 20. Oktober 2010

313. Nacht

Das Weib von Alî Schâr ahnt Böses, als dieser den Wasserkrug holt und sie belügt, er habe den Vorhang einem Kaufmann verkauft:

"Mein Herz ahnt Trennung."

und rezitiert die Verse

Der du die Trennung suchst, gemach!
Lass die Umarmung dich nicht trügen!
Gemach! Des Schicksals Art ist Trug;
Das Glück muss sich der Trennung fügen.

Alî kehrt mit dem Wasserkrug zum Christen zurück, da sitzt dieser schon in der Eingangshalle des Hauses und erbittet außerdem noch etwas zu essen:

"Sei nicht einer von denen, die erst eine Wohltat erweisen und sie dann widerrufen."

Alî schickt ihn mit der Ausrede fort, er habe nichts zu essen im Hause. Darauf gibt ihm dieser hundert Dinare, damit Alî etwas vom Markt besorge.

Nun sagte sich Alî Schâr: "Dieser Christ ist von Sinnen! Ich will ihm die hundert Dinare abnehmen und ihm etwas bringen, das zwei Dirhems wert ist und ihn so zum besten haben."

Die Tür verschließt er mit einem Vorhängeschloss, eilt zum Markt und kehrt zurück mit geröstetem Käse, weißem Honig, Bananen und Brot. Doch der Christ besteht darauf, dass Alî mit ihm isst:

"Mein Gebieter, die Weisen sagen: Wer nicht mit seinem Gaste isst, der ist ein Bastard."

Dienstag, 19. Oktober 2010

312. Nacht

Außerdem besorgt er, auf ihren Auftrag hin,

Speisen und Trank für drei Dinare

sowie Seide, Silber-, Gold und Seidenfäden, denn wie schon auf dem Marktplatz verkündet, ist sie eine geschickte Stickerin.
Doch zunächst wird gegessen, getrunken und

Darauf gingen sie zum Ruhelager und genossen einander; und sie verbrachten die Nacht eng umschlungen hinter dem Vorhange.

Am nächsten Tag macht sie sich ans Werk und bestickt die Seide mit Tierbildern,

es blieb kein einziges Tier der ganzen Welt übrig, das sie nicht darauf abgebildet hätte.

Alî Schâr möge dieses Tuch verkaufen, aber nicht an einen Vorübergehenden,

denn das würde zur Folge haben, dass wir voneinander getrennt werden.

Doch auf dem Markt wird er von einem Christen mit immer höheren Preisen gedrängt, so dass er es ihm schließlich verkauft. Nach dem Deal verfolgt der Christ ihn auch noch:

"Du Nazarener, was ist's mit dir, dass du hinter mir hergehst?"

Wird "Nazarener" eigentlich als Schimpfwort gebraucht?

Seine Ausrede, er habe am Ende der Straße zu tun, scheint durchsichtig, als er ihm bis zur Wohnung folgt und Alî um ein Glas Wasser bittet.

Dienstag, 5. Oktober 2010

311. Nacht

Da Alî Schâr nun aber überhaupt kein Geld besitzt, lässt sich die Sklavin, unter dem Vorwand genauer beäugt zu werden, in eine Nebenstraße führen, wo sie Alî neunhundert Dinare als Kaufpreis und weitere einhundert Dinare für Etwaigkeiten gibt.
Der Handel wird vollzogen. Und zuhause bei Alî angekommen, fordert sie ihn auf, Haushaltsgeräte, Teppiche, Speis und Trank zu besorgen.

Montag, 4. Oktober 2010

310. Nacht

Nun hat SAM geschlossen, das "Salads and More" in der Plesserstraße. Ein Reszaurant, dass einen Tick zu teuer war, um dort wöchentlich essen zu gehen, aber einmal im Monat habe ich mir dort einen sehr schmackhaften Tagliatelle-Teller gegönnt. Gratis als Vorspeislein gab#s meist noch solche Häppchen wie Entenleber an Erdbeer-Mousse. Gute Weine. Kleine aber feine Auswahl. In Mitte würde man dafür mindestens das Doppelte zahlen. Aber ich hatte im letzten Jahr immer wieder Schlimmes befürchtet, wenn ich da abends manchmal alleine oder zu zweit saß und das Personal beflissen das Besteck drapierte, höflich, aber mit routiniert, als wäre ich einer von fünfzig, die hier gerade säßen. Gestern Abend noch versuchte ich die Gespielin einzuladen (sie hatte bereits gegessen). Heute früh nun Laufschrift im Fenster: Neueröffnung Indisches Restaurant. Und die Geschmacklosigkeit der hingeworfenen Laufschrift sagt schon viel über die Sorgfalt, die die Indisch-Köche in der Küche walten lassen werden. Nachdem drei Freunde zu drei verschiedenen Zeitpunkten in drei verschiedenen Restaurants eine Lebensmittelvergiftung bekamen, stehe ich dieser Nationalküche etwas skeptisch gegenüber. Hähnchen-, Lamm oder Veggie-Gulasch in mehr oder minder variierten Curry-Soßen. Dazu eine Mikro-Salat-Imitation, die die Inder wahrscheinlich als Garnitur: Vierteltomätchen, ein Scheibchen blasse Gurke, drei Streifchen Möhre, ein vertrocknetes Salatblatt und ein schöner Klecks Joghurt obendrauf. Ach, meine Trauer über die SAM-Schließung ventiliert sich nun in Inder-Bashing. Ausländerfeindlichkeit unsubtil. Ach was: In der Plesserstraße gibt's schon einen Billig-Inder. Ich frage mich, was sie mit dem Klavier machen werden.

*

Auf dem Basar drängen sich die Kaufleute. Und Alî Schâr bemerkt, dass eine Sklavin verkauft wird;

die war fünf Fuß hoch, ihr Wuchs von ebenmäßiger Art, ihre Wangen waren rosig zart und ihre Brüste waren rund gepaart. (...) Der Name jenes Mädchens aber war Zumurrud.

Beim Bieten tut sich besonders ein hässlicher Alter namens Raschîd ed-Dîn hervor, dessen Hässlichkeit durch seine teuflisch blauen Augen noch unterstrichen wird. Er gewinnt die Auktion, aber der Eigentümer meint zum Makler:

"Ich habe geschworen, sie nur einem Manne zu verkaufen, den sie selber auswählt. Frage sie also um ihre Meinung."

Warum lässt er sie dann nicht einfach frei?

Angesichts des Alten rezitiert sie:

Ich bat sie einst um einen Kuss; doch sie erblickte
Mein Weißhaar, das mir Gut und Wohlstand nicht erspart.
da wandte sie sich eilends ab und sprach die Worte:
Bei Ihm, durch den der Mensch aus nichts geschaffen ward,
Mit grauem Barte schließe ich wahrlich keinen Bund!
Stopft man mir denn im Leben schon Watte in den Mund?

So werben verschiedene Alte um sie, und jeden verspottet sie durch ein Gedicht, bis ihr Blick auf Alî Schâr fällt.