Dan Richter - Lektüreblog
Die Erzählungen aus 1001 Nächten und anderes

Sonntag, 9. Januar 2011

314. Nacht

Alî Schâr lässt sich nun überreden zu essen. Und der Christ holt eine Banane hervor, die er in zwei Hälften teilt.

In die eine tat er gesättigtes Bendsch, das mit Opium vermischt war und von dem ein Quentchen einen Elefanten hätte umwerfen können.

Schneewittchen?

Diese Hälfte gibt er Alî Schâr mit den Worten:

"Mein Gebieter, bei der Wahrheit deines Glaubens, nimm dies!"

Alî Schâr fällt sofort in Ohnmacht.

Sobald der Nazarener das sah, sprang er auf seine Füße so schnell, wie ein grindiger Wolf aufspringt oder wie ein plötzlicher Spruch aus dem Richtersmund erklingt.

Er läuft nach Hause zu seinem Bruder, der der erfolglose Bieter auf die Sklavin Zumurrud gewesen war. Dieser hatte sich nur nach außen als rechtgläubiger Muslim ausgegeben ("Raschîd ed-Dîn"). Und sein jüngerer Bruder hatte ihm nun versprochen, diese zu rauben.

Sein Name aber war Barsûm.

Er lässt sie entführen und beschimpft sie zu Hause:

"Du Metze, du schamloses Geschöpf, du wirst schon sehen, wie ich dich strafe! Beim Messias, bei der Jungfrau, wenn du mir nicht gehorchst und meinen Glauben nicht annimmst, so werde ich dich wahrlich mit allen Folterqualen strafen."

Sie jedoch ruft, bei allen Foltern das islamische Glaubensbekenntnis.

Interessant wäre, aus welcher Zeit diese Geschichte nun stammt bzw. entsprechend religiös eingefärbt wurde.
Bemerkenswert: Der Christ wird "Nazarener" genannt.

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